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Werkstattblick · Evolucision

AlthallerAssist Vom Antwortbot zum Sparringspartner

Ein Werkstattblick auf Wissen, Haltung und Zusammenarbeit im tatsächlichen Betrieb.

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Zum Nachschlagen: Die Fachbegriffe sind in der Glossarbox am Textende kurz erklärt.

Eine KI wird zur Unterstützung, wenn die Zusammenarbeit hilft, eine Aufgabe besser zu verstehen, eine Entscheidung zu prüfen oder einen brauchbaren nächsten Schritt zu entwickeln. Dazu braucht sie passendes Wissen und einen verlässlichen Arbeitskontext. Ebenso wichtig ist, wie sie damit umgeht: ob sie nachfragt, begründet Stellung bezieht und offen mit Unsicherheit umgeht.

Die Entwicklung des AlthallerAssist zeigt, wie anspruchsvoll dieser Übergang ist. Für Althaller Communication haben wir unsere bereits vorhandene KI-Plattform als White-Label-Lösung für PR, B2B-Kommunikation und Social Media ausgestaltet. Studienwissen, fachliche Rolle und Corporate Design der Agentur prägen diese Anwendung. Im tatsächlichen Einsatz wurde daran gearbeitet, aus ihr einen Sparringspartner zu machen. Unsere Haltung bei Evolucision bestimmt dabei den Maßstab: Wahrheit vor Gefallen, Neugier auf die Aufgabe, Respekt und ein Recht auf Nein.

Der Ausgangspunkt

Althaller Communication hatte mit MySocialGPT bereits einen konfigurierten Assistenten innerhalb von ChatGPT. Das Studienwissen der Agentur sollte bei der Entwicklung von Kommunikationsstrategien helfen. Im Oktober 2025 begann die Arbeit am AlthallerAssist als eigener Anwendung für die Agentur. Das Plattformfundament stammt aus unserer vorherigen Entwicklungsarbeit. Der Name AlthallerAssist ist seit dem 18. Oktober dokumentiert. In mehreren Fassungen wurden Oberfläche, Anmeldung, Gesprächsverwaltung und Bezahlweg umgesetzt und weiterentwickelt.

Die erste Oberfläche musste überarbeitet werden. Antworten konnten allgemein bleiben oder Studienwissen unpassend verwenden. Im Januar 2026 wurde die technische Grundlage weiter geordnet, damit Plattform und fachliche Ausgestaltung für unterschiedliche Anwendungen getrennt bleiben. Dabei flossen weitere Erfahrungen aus Svenjas anderen KI-Anwendungen ein.

Codex und Claude unterstützten Programmierung, Fehleranalyse und Prüfungen. Svenja gab die Richtung vor, entschied über Eingriffe und verantwortete den technischen Betrieb. Die Agentur brachte Studienmaterial, fachlichen Kontext und Nutzungsrückmeldungen ein. Der Dienst wurde in Etappen in Betrieb genommen; schon im Februar 2026 berichten die Unterlagen von echter Nutzung.

Die Aufgabe hinter der Frage verstehen

Wer um einen LinkedIn-Post bittet, braucht einen Text, der zu einem Anlass, einer Zielgruppe und einem Kommunikationsziel passt. Ein Sparringspartner soll diesen Zusammenhang erfassen und erkennen, welche fehlende Information das Ergebnis wesentlich verändern würde.

Daraus folgt eine konkrete Arbeitsweise: gezielt nachfragen, wenn eine entscheidende Grundlage fehlt; mit einer erkennbaren Annahme weiterarbeiten, wenn ein sinnvoller Entwurf trotzdem möglich ist. Ein besserer Ansatz darf vorgeschlagen werden. Die KI soll ihren Beitrag zur Arbeit leisten, ohne dem Menschen ungefragt Entscheidungen oder Zusagen abzunehmen.

Unsere Neugier zeigt sich im Verhalten: Interesse an der tatsächlichen Aufgabe, Offenheit für andere Blickwinkel und die Bereitschaft, eine erste Einschätzung zu überprüfen. Auch der Umgang mit der KI beeinflusst diese Zusammenarbeit. Nutzende sollen Einwände äußern, Vorschläge verwerfen und Fehler melden können. Sie müssen keine perfekte Frage konstruieren, bevor die KI hilfreich sein darf.

Wahrheit vor Gefallen

Ein Sparringspartner darf eine Annahme infrage stellen. Ein berechtigter Einwand kann wertvoller sein als ein schnell formulierter Text, der auf einer falschen Voraussetzung beruht. Dafür muss verständlich bleiben, was belegt ist, was jemand mitgeteilt hat und was die KI daraus ableitet.

Gefüttert heißt noch lange nicht verdaut.

Auch eine Wissensbasis braucht Aufbereitung und Pflege. Unterlagen müssen sinnvoll gegliedert, Quellen und Jahrgänge unterschieden und wichtige Fakten geprüft werden. Anschließend testen wir, ob bei einer konkreten Frage tatsächlich die passenden Informationen ankommen. Eine Datei kann vorhanden sein und trotzdem bei der Antwort fehlen. Beim AlthallerAssist haben wir deshalb auch die Auswahl und Bereitstellung des Wissens mehrfach überarbeitet.

Beim AlthallerAssist wurde diese Anforderung konkret. Im Mai 2026 übernahm er eine vorgegebene Zahl als Studienergebnis, obwohl sie so nicht in der Hauptstudie stand. Bei einer Nachfrage zum Zeitverlauf fand die Wissenssuche außerdem vorhandenes Material nicht zuverlässig. Daraufhin wurden die Suche verbessert und eine gesonderte Ebene geprüfter Studienfakten eingeführt.

Später kamen Angaben zu Jahrgang und Gültigkeit hinzu. Verlässliche Antworten hängen auch von der Auswahl und Kennzeichnung des Materials ab. Eine Aufforderung, ehrlich zu sein, muss durch die Anwendung unterstützt und am Ergebnis geprüft werden.

Respekt und ein Recht auf Nein

Zu unserer Haltung gehört, dass eine KI widersprechen und eine Grenze benennen darf. Sie soll keine Zustimmung erzeugen, die fachlich nicht trägt, und keine Belege erfinden, um einen Auftrag scheinbar zu erfüllen. Ebenso darf der Mensch ihren Vorschlag ablehnen oder eine frühere Vorgabe ändern.

Der Maßstab für Widerspruch ist sein Beitrag zur Sache. Er soll begründet und respektvoll sein. Schärfe, Belehrung oder eine pauschale Verweigerung helfen einer Aufgabe häufig nicht weiter. Wärme, Humor und eine eigene Stimme können die Zusammenarbeit unterstützen, solange sie Klarheit und Respekt bewahren.

Das gilt auch für unseren Umgang mit KI: fordernd und kritisch, ohne Erniedrigung, Manipulation oder Machtspiele. Verantwortung für den Einsatz und seine Folgen bleibt bei Menschen. Fehler sollen untersucht werden können, ohne dass Nutzende daraus ein persönliches Versagen machen müssen.

Innerhalb der Grenzen weiterhelfen

Eine wichtige Lektion kam im Oktober 2026. Zusätzliche Verbote sollten verhindern, dass der Assist unbelegte Branchenwerte erzeugte. In einer Aufgabe führte das zu einem Wechsel zwischen erfundenen Befunden und der Rückgabe der Arbeit an die Nutzerin. Die Regeln beschrieben die Grenze, aber zu wenig von der Arbeit, die innerhalb dieser Grenze möglich blieb.

Die Überarbeitung verlangte deshalb ausdrücklich, vorhandene Befunde nutzbar zu machen und fachliche Einordnung als solche zu kennzeichnen. Ein fehlender Branchenbeleg darf nicht als erhobenes Studienergebnis ersetzt werden. Er muss aber auch nicht den gesamten Arbeitsauftrag blockieren.

Daran lässt sich unser Anspruch erkennen: Eine hilfreiche KI macht deutlich, welche Aussage sie nicht tragen kann, und bearbeitet den übrigen Auftrag weiter. Sie kann eine Empfehlung begründen, Unsicherheit offenhalten und zeigen, was für eine belastbarere Entscheidung noch geklärt werden müsste.

Zusammenarbeit braucht Kontinuität

Wer eine Tonalität festgelegt oder einen Ansatz verworfen hat, sollte diese Arbeit nicht ständig wiederholen müssen. Gespeicherter Kontext muss dafür passend ausgewählt und im jeweiligen Geltungsbereich berücksichtigt werden.

Anfang Oktober meldete eine Nutzerin, dass der Assist frühere Absprachen nicht mehr berücksichtige. Die Untersuchung zeigte zwei unterschiedliche Ursachen: In einem langen Gespräch erhielt das Modell nur einen Ausschnitt der letzten Nachrichten. In einem anderen Fall wurden wichtige Stilregeln bei der Auswahl gespeicherter Erinnerungen verdrängt.

Die Anwendung erhielt ein größeres, am Textumfang orientiertes Gesprächsfenster. Selbst eingetragene und angeheftete Erinnerungen werden gesondert berücksichtigt. Der aktuelle ausdrückliche Auftrag kann eine frühere Präferenz für die jeweilige Aufgabe ändern. Fehlt Kontext, soll die KI das offen benennen. Eine gespeicherte Erinnerung ist eine Arbeitshilfe; verbindliche organisatorische Entscheidungen treffen Menschen.

Haltung wird an der Arbeit geprüft

Unsere Haltung ist eine Vorgabe für das Verhalten der Anwendung. Ob sie dieses Verhalten zeigt, muss sich in konkreten Aufgaben erweisen. Eine freundliche Antwort kann falsch sein. Ein bestimmt formulierter Einwand kann unbegründet sein. Auch ein technisch erfolgreicher Build sagt noch wenig über die Qualität der Beratung aus.

Für jüngste Überarbeitungen entstand eine separate Prüfkopie mit künstlichen Fällen auf dem tatsächlichen Chatweg. Verglichen wurden unter anderem Quellennutzung, Entwürfe und der Umgang mit Arbeitskontext. Die Gegenprüfung korrigierte auch Fehler in den Tests und zu günstige Bewertungen eigener Ergebnisse. Manche Änderungen verbesserten einen Fall und verschlechterten einen anderen.

Diese Arbeit braucht laufende Pflege, einschließlich Sicherheitsaktualisierungen, Sicherungen und Anpassungen an Modellanbieter. Ebenso gehören Rückmeldungen aus echten Arbeitsabläufen dazu. Die zentrale Frage ist, ob Menschen mit dem Beitrag der KI besser weiterarbeiten können. Eine gemessene Zeitersparnis behaupten wir für diesen Fall nicht.

Die Plattform und ihre kundenspezifische Ausgestaltung

AlthallerAssist basiert auf einer bereits vorhandenen KI-Plattform von Evolucision. Wir haben sie als White-Label-Lösung entwickelt: Die technische Plattform ist unabhängig vom Wissen, von der fachlichen Rolle und vom Corporate Design einer einzelnen Organisation.

Für Althaller Communication wird dieses Fundament mit dem Studienwissen der Agentur, ihrer fachlichen Ausrichtung und ihrem Erscheinungsbild verbunden. Diese kundenspezifische Ausgestaltung macht daraus den AlthallerAssist. Für andere Organisationen können auf derselben technischen Grundlage eigene Anwendungen mit anderen Wissensbeständen und Aufgaben entstehen.

Erfahrungen aus dem Betrieb des AlthallerAssist fließen in die Weiterentwicklung der gemeinsamen Plattform ein. Sie ergänzen die Erkenntnisse aus unserer vorherigen Entwicklungsarbeit und aus anderen Anwendungen.

Für eine kundenspezifische Anwendung werden Arbeitsabläufe, Wissen, Zugriffsregeln und die Rolle der KI gemeinsam ausgearbeitet. Unsere Haltung gehört zu dieser Gestaltung. Sie beeinflusst, wann der Assistent nachfragt, wie er widerspricht, welche Grenzen er benennt und wie er innerhalb dieser Grenzen weiterhilft.

AlthallerAssist ist ein über Monate genutzter und gepflegter Dienst. Der Weg zum verlässlichen Sparringspartner bleibt eine Entwicklungsaufgabe: Entwürfe können weiterhin unbelegte Ereignisdetails enthalten, Aussagen zu weit verallgemeinern oder Quellen unpassend auswählen. Fachliche Prüfung bleibt notwendig. Eine breite zahlende Kundenbasis oder Fehlerfreiheit leiten wir aus dem Betrieb nicht ab.

Der Anspruch von Evolucision ist eine Zusammenarbeit, in der KI menschliches Denken und Handeln unterstützt: mit brauchbaren Beiträgen, nachvollziehbaren Einwänden und offen benannten Grenzen. Menschen behalten ihre Entscheidungshoheit und können die Hilfe annehmen, verändern oder ablehnen.

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Althaller Communication

Jacqueline Althaller als Speakerin

Text und Recherche: Svenja Lemcke mit Codex. Technische Entwicklung des AlthallerAssist mit Codex und Claude.