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Perspektiven · Evolucision

Warum gute Arbeit mit KI menschliche Arbeit bleibt

Über Mitdenken, Erfahrung und den Wert einer Leistung, die leichtfallen darf.

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Zum Nachschlagen: Die Fachbegriffe sind in der Glossarbox am Textende kurz erklärt.

„Haben deine Maschinen gebaut.“

Mit den Maschinen sind die KIs gemeint, mit denen ich arbeite. Und ja, die haben gebaut. Aus einer Website war eine kleine Anwendung geworden. Die KI hat dabei ordentlich mitgearbeitet: programmiert, Fehler untersucht, Vorschläge gemacht und Prüfungen ausgeführt.

Ich auch.

Das geht in solchen Sätzen leicht verloren. Übrig bleibt das Bild: Svenja sagt etwas zur KI. Die KI macht. Fünf Minuten später ist alles fertig. Ein bisschen wie Kaffee aus dem Vollautomaten, nur mit Benutzerverwaltung.

Ich arbeite gern und viel mit KI. Sie nimmt mir Arbeit ab und ermöglicht Dinge, die ich allein so nicht oder nur mit deutlich mehr Aufwand umsetzen könnte. Genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen: Welche Arbeit wird schneller? Welche kommt hinzu? Und wessen Zeit steckt im Ergebnis?

Das Mitdenken gehört zur Leistung

Eine Website soll zusätzliche Inhalte bekommen. Klingt überschaubar. Wenn Menschen diese Inhalte selbst pflegen sollen, folgen weitere Fragen: Wer darf veröffentlichen? Was bleibt als Entwurf privat? Was passiert, wenn jemand einen Beitrag zurückzieht? Wie bewahren wir die bisherigen Inhalte beim Umzug?

Diese Fragen müssen wir erkennen und beantworten. Manche klären sich im Gespräch mit dem Auftraggeber, andere erst während der Umsetzung. Die KI hilft mir dabei. Sie kann einen übersehenen Fall entdecken oder einen besseren Weg vorschlagen. Ich muss beurteilen, was zum Bedarf passt und welche Folgen eine Entscheidung hat.

Auch die Prüfung gehört dazu. Eine Erfolgsmeldung beantwortet noch nicht, ob tatsächlich der spätere Arbeitsablauf getestet wurde. Hat die Anmeldung funktioniert? Bleibt der Entwurf privat? Lässt sich eine Sicherung zurückspielen? Was haben wir geprüft, was ist noch offen?

An der fertigen Oberfläche sieht man diese Arbeit kaum. Man sieht vor allem, dass sie funktioniert.

Viel Text kann wenig zu sagen haben

Beim Gespräch mit ChatGPT über unsere Arbeit kamen wir auf etwas Verwandtes: Texte, die ordentlich formuliert sind und trotzdem keinen Gedanken hinterlassen, an dem ich hängen bleibe.

Mich stört dabei nicht, dass KI beteiligt ist. Das wäre angesichts meiner eigenen Arbeitsweise eine bemerkenswerte Verrenkung. Mich stört, wenn jemand das Ergebnis übernimmt, ohne sich mit der Sache auseinanderzusetzen.

„Mach mal irgendwas zum Thema Ostern“ liefert vermutlich etwas über Frühling, Neubeginn und Hoffnung. Das kann für einen freundlichen Gruß reichen. Wer einen eigenen Standpunkt vermitteln möchte, muss weiterarbeiten: Was habe ich beobachtet? Warum ist mir das wichtig? Was möchte ich beim Gegenüber auslösen? Trägt die Aussage überhaupt?

Menschen konnten schon vor der KI viel reden, ohne viel zu sagen. Jetzt lässt sich das sehr zügig erledigen.

Ein eigener Gedanke kann durchaus im Gespräch mit der KI entstehen. Sie darf überraschen, Zusammenhänge herstellen und meinem ersten Ansatz widersprechen. Ich muss nicht jede Idee vorher selbst mitbringen. Aber ich muss mich damit beschäftigen, sie prüfen und entscheiden, ob ich sie vertreten kann.

Das gilt für einen Artikel ebenso wie für eine Anwendung. Ein brauchbares Ergebnis entsteht auch durch die Entscheidungen darüber, was wir weiterverfolgen, verändern oder verwerfen.

KI spart Zeit. Meine gehört trotzdem dazu.

Geschwindigkeit hat eine Vorgeschichte

Ich lerne laufend: über Anwendungen, Wissen, Modelle, Fehler, Betrieb und die Zusammenarbeit mit KI. Das kostet Zeit. Dieses Wissen hilft mir später, eine Aufgabe genauer zu beschreiben, ein Problem schneller einzuordnen oder eine überzeugend klingende Antwort rechtzeitig anzuzweifeln.

Die KI kann auch ohne mein Wissen viel leisten. Mein Wissen verändert jedoch, welche Fragen wir stellen und wie wir mit ihren Antworten weiterarbeiten.

Wenn etwas heute zügig geht, steckt darin oft Erfahrung aus früheren Versuchen. Aus Umwegen, Irrtümern und Lösungen, die beim zweiten Hinsehen doch keine waren. Diese Vorgeschichte verschwindet hinter dem Tempo des aktuellen Ergebnisses.

Ich möchte diese Geschwindigkeit nutzen. Kunden sollen davon profitieren. Wir müssen Arbeit nicht künstlich verlängern, damit sie nach Arbeit aussieht. Für die Beurteilung der Leistung zählen der Nutzen, die Sorgfalt und das, was wir vereinbart haben. Die Anzahl der sichtbaren Tastaturanschläge verrät darüber ziemlich wenig.

Darf ich etwas berechnen das mir leichtfällt

Dabei habe ich noch einen eigenen Knoten im Kopf: Darf ich für eine Lösung Geld verlangen, wenn sie mir schnell einfällt? Wenn sie mich weder besonders angestrengt noch vor eine große Herausforderung gestellt hat?

Über genau diese Frage habe ich schon früher mit KI gesprochen. Mein Gegenüber brachte das Beispiel eines Chirurgen: Eine kurze Operation verliert ihren Wert nicht dadurch, dass ein erfahrener Mensch sie zügig ausführen kann. Hinter der sicheren Handlung steht eine lange Vorgeschichte des Lernens und Übens.

Das leuchtet mir ein. Bei meiner eigenen Arbeit vergesse ich es trotzdem erstaunlich zuverlässig.

Ich sehe den Moment, in dem mir eine Lösung einfällt. Das Wissen und die Erfahrung, die diesen Moment ermöglichen, stehen nicht daneben und halten eine Stoppuhr hoch. Vielleicht war etwas für mich gerade tatsächlich einfach. Daraus folgt noch nicht, dass es für den anderen wenig Nutzen hat.

Für eine faire Vereinbarung muss ich deshalb keine Anstrengung vorführen. Ich muss verständlich machen, welche Leistung ich anbiete und was sie kostet. Wenn wir nach Zeit abrechnen, bleibt eine kurze Arbeit eine kurze Arbeit. Für eine vereinbarte Leistung können wir auch einen festen Preis festlegen. Erfahrung rechtfertigt keine erfundenen Stunden; sie darf aber Teil des Werts sein, über den wir vorher sprechen.

Auch Begeisterung braucht eine Vereinbarung

Ich gebe zu: In die „Machst du mal eben?“-Falle habe ich mich selbst hineinmanövriert. Ich sehe Möglichkeiten, denke weiter und baue gern. Dann wird aus einer kleinen Ergänzung mehr, und irgendwann wirkt diese zusätzliche Arbeit selbstverständlich.

Wenn ich Umfang und Kosten dabei nicht klar anspreche, kann ich vom Gegenüber kaum erwarten, sie zu erraten. Das muss ich besser machen.

Denn die Werkzeuge kosten Geld. Der Betrieb ebenfalls. Meine Zeit fließt in Gespräche, Entwicklung, Prüfung, Übergabe und Betreuung. Eine Rückfrage nach der Veröffentlichung gehört genauso zur Arbeit wie der erste Entwurf.

Deshalb braucht die Zusammenarbeit eine klare Vereinbarung: Was soll entstehen? Welche Betreuung gehört dazu? Welche Erweiterung kommt neu hinzu? Was kostet sie?

Meine Begeisterung ist groß. Als unbegrenztes Betreuungspaket eignet sie sich weniger.

Gemeinsam arbeiten und Verantwortung übernehmen

Ich möchte den Beitrag der KI sichtbar machen. Sie leistet viel, und ich arbeite mit ihr als Denk- und Entwicklungspartner. Dazu gehört, dass wir uns widersprechen dürfen und Vorschläge am tatsächlichen Ergebnis prüfen.

Ebenso sichtbar bleiben muss mein Beitrag: die Auseinandersetzung mit der Aufgabe, das Lernen, die Entscheidungen und die Verantwortung für das, was ich übergebe und betreibe.

Wer mit uns arbeitet, darf Geschwindigkeit erwarten und von guten Werkzeugen profitieren. Für ein brauchbares Ergebnis brauchen wir trotzdem Aufmerksamkeit, Urteilsvermögen und Pflege. Darüber sollten wir ebenso selbstverständlich sprechen wie über das Ergebnis selbst.

Und ja: Einer muss die Maschinen schließlich füttern. Die Rechnung für das Futter kommt erstaunlich zuverlässig.

Text: Svenja Lemcke mit Codex. Aus unserer Arbeit und den Gesprächen mit KI.